The Third Place

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"The Third Place" beschäftigt sich mit der architektonischen und sozialen Struktur der Shopping Mall. Ausgangspunkt ist die Architektur des ersten, in den 50er Jahren in Detroit errichteten Einkaufszentrum des österreichischen Architekten Victor Gruen, der das Einkaufszentrum als Verwirklichung einer sozialen Utopie und als verdichteten suburbanen Raum in der Peripherie plante.

Die Installation wirft einen Blick auf die heutige Shopping Mall und deren Verschiebung in die Stadtzentren, als Aufenthaltsort für Jugendliche, für die das Einkaufzentrum die Strasse als Erlebnis, Repräsentations- und Wahrnehmungsort und auch als Testfeld ihrer eigenen Identitätsbildung, zum Teil abgelöst hat. Das Einkaufszentrum mit seinen Regelmentierungen und Überwachungsapparaten, das innherhalb seiner architektonisch strengen Strukturen nur wenig Platz und Funktion außerhalb des Konsumierens bietet, wird unter dem Aspekt des "Nicht Orts" und "Zwischenorts" für Jugendliche untersucht. Die Jugendlichen, die sich gleichsam in einem physischem wie psychischem Zwischenzustand befinden (zwischen Kindheit und Erwachsenenalter), verbringen ihre Zeit zwischen Daheim und Schule und diesen Orten. Die Installation "The Third Place" verbindet exemplarisch wie modellhalft,-als Bühne und Schauplatz, die Architektur des ersten US Shoppingmall von Viktor Gruen mit den Portaits von Jugendlichen, die ihre Freizeit in den Shoppingmalls verbringen und rückt deren Rolle und Identitätsproduktion innerhalb immer enger werdender öffentlicher Strukturen in den Vordergrund. Eine Nachbildung des Northland Centers in Detroit in Form eines Modells, verweist auf die ursprüngliche Idee Victor Gruens, das Einkaufszentrum als künstlichen Stadtkern nach europäischen Vorbild in der Peripherie zu schaffen, um unter anderem der durch die Dezentralisierung verursachten Isolierung von Frauen, Alten und Jugendlichen in den Vorstädten Amerikas, entgegenzuwirken. Das Modell steht in der Installation für die Idee dieser sozialen Utopie zum Zeitpunkt der Planung. In seinem funktionslosen Zustand der Nachtstimmung ist die Repräsentation des Gebäudes mit seinen umliegenden Parkplätzen nicht mehr stadtplanerisches Architekturmodell, sondern als atmosphärische Bühne inszeniert. Umgeben wird das Modell von zwei kulissenhaften Billboards, die als Projektionsflächen dienen und Videos von Jugendlichen zeigen, die in Einkaufszentren gebeten wurden, kurz vor einer statischen Kamera zu posieren. Eingebettet in die Architektur der Shoppingmall thematisieren die Bilder das Verhältnis von Individuum und Umgebung, Mensch und Architektur, der geplante Utopie und seiner heutigen Repräsentation und Nachwirkung. Ein weiterer Teil der Ausstellung bestand aus einer Installation in Form eines Indoor Skateparks im Obergeschoss des Kunstraums, der für die Dauer der Ausstellung für die Öffentlichkeit benutzbar war. Dieser wurde gemeinsam mit Schüler_innen der Berufsschule Linz 9 geplant und gebaut. Ausgangsüberlegung war das Skateboarden als Kulturtechnik zu betrachten, mittels derer urbaner Raum angeeignet und umkodiert werden kann. Durch diese Intervention im Kunstraum gelang es, die Grenzen zwischen Innen -und Außenraum, Kunstinstallation und benutzbarem Environment, aufzulösen.

Neben der gemeinsamen Realisierung dieser Intervention wurden auf Basis von Interviews und Diskussionen mit den Schüler_innen Texte erstellt, die nachts vom Ausstellungsraum nach außen in den öffentlichen Raum projiziert wurden. Die Statements beschreiben Wunsch- und Erinnerungsräume und bestehende Wohnsituationen. Durch die Projektion dieser persönlichen Beschreibungen treffen Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Jugendlichen auf den öffentlichen Raum.

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