Shrinking City

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[…] Die dreiteilige Fotoarbeit Shrinking City (2013) etwa ist eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Räumen am Beispiel von Großstadtarchitektur, wobei Oppl wiederum mit einem Modell arbeitet und filmische Bezüge integriert. Ausgangspunkt von Shrinking City ist ein aufwendig gebautes Modell aus Wachs, das nach der Vorlage chinesischer Großstädte entstanden ist. Die fotografische Nahaufnahme lässt die Wolkenkratzer monumental erscheinen, zugleich erinnern sie mit ihrer fragilen, organischen Materialität an die subjektive, fast körperliche Architektur der Kulissen im expressionistischen Film, beispielsweise an Fritz Langs Film Metropolis (1927), in dem die Großstadtarchitektur zum Ausdruck der zerrütteten Psyche der Gesellschaft wird und die überbordende Technikgläubigkeit der Moderne in Form einer ins Gigantische gewachsenen, babylonischen Großstadt sich gegen die Menschen selbst wendet. In Oppls Fotoserie bringt Hitze die Wolkenkratzer zunehmend ins Wanken, die gesamte Stadt stürzt in sich zusammen und zerfließt. Er zeichnet eine Dystopie, in der Architektur fragil, organisch und körperhaft ist und die auch auf ein ökologisches Scheitern verweist. […]

Jürgen Tabor