Korridor

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[…] In der Videoskulptur Korridor reinszeniert Oppl ein architektonisches Element aus Stanley Kubricks Film The Shining (1980), einen langen Flur des von übernatürlichen, bösen Kräften besessenen Overlook-Hotels. Berühmt-berüchtigt ist die Filmszene, in der Blut aus den verschlossenen Fahrstuhltüren quillt und den Gang überflutet. Während das Gebäude davor nur von einem geistigen Wesen besessen schien, agiert es hier richtiggehend als Körper. In seiner Reinszenierung des Hotelflurs ersetzt Oppl das Blut durch kleine weiße Kugeln, die in eine kontinuierlich fließende Bewegung versetzt werden, indem er das ganze Modell vertikal um die eigene Achse kreisen lässt. Der Strom von weißen Kugeln fließt durch die Rotation nicht nur dem Boden, sondern auch der Decke und den Wänden entlang. Auf einem unmittelbar neben dem Modell in die Skulptur integrierten Screen, der exakt die gleiche Größe wie der Korridor hat, sausen die weißen Kugeln wie von einer unheimlichen Kraft getrieben, scheinbar entgegen den Gesetzen der Schwerkraft durch den Raum. […]

Jürgen Tabor

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