Ennis House

Text

[…] Fotoserien wie Ennis House (2012) und Untitled (Plaza des las Tres Cul­ turas) (2012) kreisen ebenfalls um die Wahrnehmung von Architektur. Es sind »subjektive Architekturporträts«, die nicht einen fixen Standpunkt, sondern Bewegung suggerieren. Mit einer Methode der analogen Mehrfachbelichtung, bei der direkt in der Kamera mehrere Ansichten zu einem Bild collagiert werden, verdichtet Oppl differierende Perspektiven zu Bündeln von ineinanderlaufenden Architektur- und Raumausschnitten. Die Fotografien muten wie Erinnerungsdiagramme an, in denen aufeinanderfolgende Blickwinkel wie bei einer Bewegung über einen Platz oder um ein Gebäude gesammelt werden. Auf gewisse Weise symbolisieren sie unser Gedächtnis, in dem sich Bilderfolgen und zeitliche Abläufe in komplexen Netzen und Knotenpunkten manifestieren. Die Resultate beinhalten bei den Fotografien ebenso wie in den Erinnerungsspuren des Gedächtnisses Anteile, die zufällig, unkontrollierbar und subjektiv sind. Bei Ennis House handelt es sich um ein Porträt des gleichnamigen Hauses in Los Angeles, das 1923 vom amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright entworfen wurde. Das Haus selbst steht für das Moment der Überlagerung. Es vereint den Stil der Maya-Tempel, nach dessen Vorbild es entwickelt wurde, mit der modernen Technik des Betongusses und seiner zigfachen medialen Aneignung und Verarbeitung als Kulisse für Filme wie Blade Runner oder Mulholland Drive. […]

Jürgen Tabor